Was eine Jugendliche aus Freising über Europa sagt

Johannas Plädoyer für Europa

Unter dem Motto „EUnited – Europa verbindet“ haben sich Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Bundesrepublik am diesjährigen Wettbewerb beteiligt. Mit dabei war auch die 14-jährige Schülerin der Karl-Meichelbeck-Realschule, Johanna Wimmer. Sie erklärt, worauf sie mit ihrem Werk aufmerksam machen wollte und was sie sich von der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 erhofft. Ein Bericht über den Einsatz eines jungen Menschen für Europa und Solidarität über EU-Grenzen hinweg.

Mehr als 75.000 Schülerinnen und Schüler haben an der 67. Wettbewerbsrunde des Europäischen Wettbewerbs teilgenommen, einem der größten und ältesten Schülerwettbewerbe Deutschlands. Zahlreiche Ideen zum Thema „EUnited – Europa verbindet“ haben die Bundesjury erreicht. Ein zentrales Thema: die deutsche EU-Ratspräsidentschaft, die am 1. Juli begonnen hat.

Für ihre außergewöhnlichen Ideen beim Wettbewerb wurde Johanna Wimmer nun ausgezeichnet. Erfreut über den Erfolg der Schülerin aus der Klasse 7c überreichte der Schulleiter der Karl-Meichelbeck-Realschule Freising, der seit Beginn seiner Amtszeit mit Blick auf die zunehmend internationalen Verquickungen in der Berufswelt den Fokus auch auf eine europäische Ausrichtung der Schule gelegt hatte, die Urkunde der Europäischen Union und den Geldpreis an Johanna Wimmer.

 

„Kinder und Jugendliche sind eine große Chance für Europa“

Auch die 14-jährige Johanna Wimmer hat eine Meinung zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Sie wünscht sich, „dass Europa in der Corona-Krise zusammenhält und die einzelnen Mitgliedstaaten weniger egoistisch handeln. Menschen, die von der Corona-Krise schwer betroffen sind, müssen von der EU unterstützt werden.“ Die Aufgaben und Ziele der EU hat die Schülerin fest im Blick. Diese Haltung der Schülerin brachte ihre Lehrerin, Melanie Schüngel, auf die Idee, Johanna zur Teilnahme an dem Wettbewerb zu ermutigen.

„Grundsätzlich könnte die europäische Politik davon profitieren, die Meinungen von Kindern und Jugendlichen ernster zu nehmen, da diese schließlich in Zukunft in Europa zuhause sein werden“, findet Johanna. Jugendliche seien in den meisten Situationen viel einfallsreicher und kompromissbereiter als Erwachsene.
Dies könne sich positiv auf das Europa der Zukunft auswirken.

Förderung der Europabegeisterung: Schüleraustausch und Europareisen für Jugendliche

Schüler und Jugendliche sollten mindestens einmal im Jahr in eine größere europäische Stadt reisen. „Ich hatte das Gefühl, dass die Einigkeit in Europa ein bisschen in Vergessenheit geraten ist. Die Schülerreisen könnten den kulturellen Austausch zwischen den jungen Europäerinnen und Europäern wieder verbessern“, erläutert Wimmer die Idee dahinter. Auch ein Engagement für das Erasmus-Programm schließt sie nicht aus.

Die Reisen könnten als Möglichkeiten des Austausches für Jugendliche dienen, mit unterschiedlichsten Angeboten: Gemeinsame Aktivitäten, Musikveranstaltungen, Sportveranstaltungen, Übernachtungsmöglichkeiten, Sprachkurse, gemeinsame Unterrichtsbesuche und sogar mehrsprachige Stadtführungen schweben der begeisterten Europäerin vor. Dabei solle vor allem der Austausch mit Gleichaltrigen im Vordergrund stehen, betont Johanna.
Johanna wünscht sich, jungen Europäerinnen und Europäern eine stärkere Beteiligung an der Gestaltung ihres Europas zu ermöglichen.

Was verbindet uns eigentlich in Europa?

Die neue Europäische Kommission und das frisch gewählte EU-Parlament stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Neben wachsendem Nationalismus, Brexit und dem Klimawandel gilt es nun auch noch eine Pandemie historischen Ausmaßes zu bewältigen. Dennoch verbindet die Europäerinnen und Europäer mehr als aktuelle Probleme vermuten lassen.
Was Europa zusammenhält – damit kann die Jugendliche sofort etwas anfangen. „Die Jüngsten kennen und lieben dieselben Märchen- und Kinderbuchfiguren“, so Johanna, „die Abenteuer von Pippi Langstrumpf, dem Froschkönig oder Jim Knopf sind in vielen Kinderzimmern in Europa präsent“. Die älteren Schülerinnen und Schüler wie sie hätten erkundet, was Europa gesellschaftlich und politisch verbindet: „Frieden auf dem europäischen Kontinent, Wertschätzung für Vielfalt und die Zukunft unseres Planeten“, da muss Johanna nicht lange überlegen.

Ziel des Europäischen Wettbewerbs ist es, Kinder und Jugendliche zu einer eigenständigen und kreativen Auseinandersetzung mit aktuellen europäischen Themen zu ermutigen. Jährlich beteiligen sich zwischen 70.000 und 85.000 Schülerinnen und Schüler am ältesten Schülerwettbewerb Deutschlands, der bereits seit 1953 existiert. Nicht zuletzt wegen der hohen Teilnehmerzahl ist der Erfolg der Schülerin aus Freising so bemerkenswert. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Auswärtigen Amt, der KMK und den Kultusbehörden der Länder, einer Vielzahl renommierter Einrichtungen – gefördert.

Sinkt das Interesse an Europa unter Jugendlichen?

75.159 Schülerinnen und Schüler – das sind 5.000 Teilnehmende und somit 7 Prozent mehr als im Vorjahr – setzten an 1.177 Schulen ihre Ideen in Bildern, Videos, Poetry Slams, selbst komponierten Songs, Geschichten, Plakatkampagnen oder internationalen eTwinning-Projekten um – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Der Europäische Wettbewerb ist offen für alle Fächer, z.B. Kunst und Musik, Gesellschaftswissenschaften und Ethik, Deutsch und Fremdsprachen.
Einige Aufgaben dieses Wettbewerbs erfreuten sich besonderer Beliebtheit: In Modul 1 wurden 6.208 Arbeiten für die Aufgabe „So ein Zirkus!“ eingereicht. Die beliebteste Aufgabe des gesamten Wettbewerbs war allerdings in Modul 2 angesiedelt: Beeindruckende 15.762 Arbeiten wurden zum Thema „Baba Yaga meets Froschkönig“ gestaltet. Die höchste Resonanz in Modul 3 mit 7.337 Arbeiten erzielte „Mein europäisches Sicherheitsfenster“.

Wünsche und Forderungen für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2020

Im Rahmen des Wettbewerbs erhielten alle Altersgruppen die Gelegenheit, an der Gestaltung der Zukunft Europas mitzuwirken, Einfluss zu nehmen auf die aktuelle Politik und ihre Wünsche und Forderungen an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft (seit Juli 2020) zu formulieren. Vielleicht geht unter der Ratspräsidentschaft Deutschlands Johannas Wunsch für Europa schneller in Erfüllung, als dies bisher zu erwarten gewesen wäre: Schulpartnerschaften für alle Jahrgangsstufen in allen Ländern Europas.
„Der Europäische Wettbewerb verändert Schule so, wie Schüler sich das wünschen“, erklärt der Schulleiter. „Er bringt Europa ins Klassenzimmer, fördert die Kreativität und Europakompetenz von Kindern und Jugendlichen.“

Eine erfreuliche Entwicklung: eTwinning im 67. Europäischen Wettbewerb

Ob in der Ukraine, in Armenien, Großbritannien oder Deutschland – der eTwinning-Zweig des Europäischen Wettbewerbs hat Schulen auf dem ganzen Kontinent online verbunden. 37 Projekte reichten 83 Schulen aus insgesamt 21 Ländern ein. 2.547 Schülerinnen und Schüler konnten dank eTwinning gemeinsam europäische Themen bearbeiten, etwas über andere Länder lernen und ihre Medienkompetenz erweitern. Eine großartige Bereicherung für den Wettbewerb.

Jurierungsprozess unter erschwerten Bedingungen

Preisvergabe und Jurierungsprozess fanden in diesem Jahr unter ungewöhnlichen Voraussetzungen statt. Die 1.900 auf Bundesebene eingereichten Arbeiten mussten wegen der Pandemie vorab erst einmal digitalisiert, online begutachtet und von den 18 Bundesjurymitgliedern mit Bundespreisen ausgezeichnet werden. Auch die sonst üblichen 120 Reisepreise konnten in diesem Jahr nur unter Vorbehalt vergeben werden. Damit trotzdem alle herausragenden Leistungen gewürdigt wurden, vergab die Bundesjury in diesem Jahr zusätzliche Geldpreise – einen davon erhielt die Schülerin der Karl-Meichelbeck-Realschule.

Wie beeinflusst die Teilnahme am Europäischen Wettbewerb das Schulgeschehen?

„Natürlich lohnt es sich auch, in diesem Schuljahr wieder am Wettbewerb teilzunehmen!“, so Schulleiter Bernd Friedrich.
Der 68. Europäische Wettbewerb wird im Schuljahr 2019/2020 die Entwicklung aufgreifen und inhaltlich wie methodisch dazu anregen, sich mit der Digitalisierung in Europa zu befassen.
Die Covid-19-Pandemie führte eindrücklich vor Augen, wie wichtig die Digitalisierung für unser Zusammenleben in Europa ist. Videokonferenzen, Clouds, Chats und Lernplattformen machten es möglich, dass man trotz Abstandsgebot gemeinsam lernen und arbeiten kann und auch Oma und Opa nicht aus den Augen verliert. So wird ausgerechnet die Krise zum Motor, der die Umsetzung der ambitionierten politischen Digitalisierungsziele der EU antreibt.
Zukunftsfragen dieser Entwicklung werden sein: Mit welchen Robotern würden unsere Jüngsten gern zusammenleben? Welche Ökobilanz hat unser zunehmend digitales Leben? Und auf welche Fragen weiß Siri eigentlich keine Antwort? Diese Fragen werden im Fokus des neuen Wettbewerbs stehen.
Der 68. Europäische Wettbewerb wird vor allem die Perspektive von Kindern und Jugendlichen auf die Digitalisierung beleuchten. Das neue Thema lautet: „Digital EU – and YOU?“
Durch den Wettbewerb sollen folgende Fragen geklärt werden: Wie hat sich die Lebenswelt der Kinder durch die Digitalisierung verändert und kann ein Roboter einen menschlichen Freund ersetzen? Welche kreativen Ausdrucksformen sind erst durch das Internet möglich geworden? Wie haben soziale Medien unsere Kommunikation verändert? Und welche Auswirkung hat die Digitalisierung auf unsere Umwelt? …

Wer bei dem Wettbewerb gewinnt, kann sich auch in diesem Schuljahr auf spannende Reisen nach Berlin oder Brüssel und Geld- oder Sachpreise freuen.
Die Kultusministerien empfehlen die Teilnahme.
Johanna Wimmer und ihr Schulleiter auch.